"Polkaholix" erzeugt das Polka-Fieber
Die Berliner Band "Polkaholix" sieht sich auf einer "Mission": Polka soll wieder unter die Leute - samt der Lebensvorstellung dahinter. Und die hat Sänger Andreas Wieczorek zu Beginn des Konzerts im Ulmer Zelt schnell auf einen Nenner gebracht: "Gute Laune, Missionierung und schöne Frauen." Damit das auch bei der gesamten Zuhörerschaft im Multikulti-Deutschland des 21. Jahrhunderts ankommt, zeigen sich die Polka-Interpretationen entsprechend international. Ska, Salsa, Balkanmusik, Folk und Rock fließen in rhythmischer Polkamanier ineinander. Da kommt es mitunter schon vor, dass harte E-Gitarrentöne auf träumerische Hawai-Klänge treffen, der Klarinette orientalische Melodien aus dem Morgenland entspringen und Frontsänger Andreas Wieczorek es sich trotzdem nicht nehmen lässt, eine kleine Jodel-Einheit beizusteuern.
Bei solcher Weitläufigkeit ließen sich im Laufe des Konzerts nur zwei annähernd konstante Gemeinsamkeiten im facettenreichen Erscheinungsbild der achtköpfigen Band herauskristallisieren: Der typische, berlinerische Hauptstadtstolz ist auch diesen Söhnen des größten Stadtstaates Deutschlands nicht fern. Und: "Polkaholix" lebt ihre "Mission" auf der Bühne so authentisch, dass bloßes Zuschauen kein Zustand von Dauer sein kann. In der Psychologie würde wohl bald der Ausdruck der sich "selbst erfüllenden Prophezeiung" fallen.
Kein Wunder, dass am Schluss selbst die halbstündige Zugabe den unersättlichen Hunger des Ulmer Zelt-Publikums auf Polka kaum mehr zu stillen vermochte. Sänger Andreas Wieczorek verabschiedete sich schließlich mit breitem Grinsen im Gesicht "bis spätestens beim nächsten Eurovision Song Contest." Ungeachtet dessen, ob die Stimmungsprofis einen solchen Schritt überhaupt jemals ernsthaft in Betracht ziehen würden: Das nötige Format dafür hätten sie.
(Erschienen: 27.05.2008 00:07)














