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Sigmaringen Landkreis

Polizeigroßeinsatz: „Das war doch alles ganz anders“

(HOHENTENGEN/cus) Montagvormittag in Hohentengen-Günzkofen: Es wimmelt nur so von Polizei. 73 Beamte sind vor Ort, ein Spezialeinsatzkommando und ein mobiles Einsatzkommando mit dabei. Sie sperren ein Haus großräumig ab. Die Ortsdurchfahrt Günzkofen ist dicht. Die regulären Bushaltestellen für die Schüler können nicht angefahren werden. Die Beamten haben ein Haus im Visier. Dort wohnt ein 50-jähriger Mann, der angedroht haben soll, seiner Familie etwas anzutun, wenn ihm das Arbeitslosengeld (Hartz IV) gekürzt werde.

Die Informationen der Polizei stammen von einer ARGE-Mitarbeiterin. Der Mann ist verheiratet und hat vier Kinder. Drei davon sind vormittags im Kindergarten bzw. in der Schule. Frau und älteste Tochter verlassen zwischen 10 und 11 Uhr das Haus. Gegen 12 Uhr dringen die SEK-Beamten in das Haus ein und nehmen den Mann vorläufig fest. Verletzt wird niemand.

„Wir gehen davon aus, dass der Mann harmlos ist und haben ihn nach intensiver Befragung wieder frei gelassen,“ erklärt Edwin Dobler später dazu. Der Pressesprecher der Polizeidirektion Sigmaringen macht deutlich, dass sich der Fall im Nachhinein als ungefährlich dargestellt habe. Es seien auch keine Waffen bei dem Familienvater gefunden worden.

„Der Mann hat bei einer Service-Hotline der ARGE angerufen. Die Mitarbeiterin hat den Sachverhalt aufgenommen und per Mail an die ARGE Sigmaringen weitergeleitet,“ sagt Manuel Zipperer. Das sei am vergangenen Freitagnachmittag gewesen und am Montagvormittag in Sigmaringen bearbeitet worden. Der Landratsamt-Pressesprecher macht deutlich, dass es um einen Heizkostenzuschuss für Holz und Kohle gehe, der aus der Unterstützung herausgerechnet werde. Der Betrag werde aber in Raten und nicht auf einmal gekürzt. Der Mann bekäme das Geld später wieder zurück.

„Meine Familie erschießen?“

„Das war doch alles ganz anders“, sagt der 50-jährige Familienvater am Telefon zur SZ. Wegen eines Zuschusses für Heizkosten sei ihm das monatliche Arbeitslosengeld von 880 auf 630 Euro gekürzt worden. Da habe er zweimal bei der ARGE angerufen und sarkastisch gefragt: „Soll ich denn hingehen und meine ganze Familie erschießen, damit das Geld noch zum Leben reicht?“ Das sei doch nicht ernst gemeint gewesen. Zudem habe er ein Haus abzuzahlen. Er wolle wieder Arbeit, dann brauche er das Amt nicht mehr. „Ich habe 34 Jahre Steuern gezahlt,“ macht er deutlich. Krankheitsbedingt sei er arbeitslos geworden. „Ich habe das gar nicht mitbekommen,“ sagt der 50-Jährige zum Polizeieinsatz. Er habe Holz gespaltet und auf einmal sei dann die Polizei ins Haus gekommen, habe ihn auf den Hof geführt, gefesselt und mitgenommen.

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„Ich fahr weg vom Hof, da hat mich die Polizei gleich angehalten und mitgenommen,“ sagt seine Frau ganz aufgeregt und ergänzt: „Wenn sie mich zu meinem Mann gelassen hätten, dann hätte sich das schneller geklärt.“ Mittlerweile ist auch die zuständige Staatsanwaltschaft in Ravensburg informiert. „Wir werden den Fall nicht auf hoher Flamme kochen,“ sagt Pressesprecher Martin Hussels und nennt mögliche Konsequenzen. Zivilrechtlich könnte dem Mann eine Geldstrafe drohen, da er einen SEK-Einsatz ausgelöst habe. Auf der strafrechtlichen Ebene kommen die Straftatbestände Freiheitsberaubung und Störung des öffentlichen Friedens in Betracht. Das werde von einer Geldstrafe bis fünf Jahren bzw. bis zu drei Jahren Haft geahndet. Freiheitsberaubung würde bedeuten, dass der Mann seine Frau und Tochter gegen ihren Willen im Haus festgehalten hätte.

Danach sehe es nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht aus. Aber: Die ARGE-Mitarbeiterin habe gute Gründe gehabt, die Polizei einzuschalten. Sie habe das Fragezeichen nicht gehört, die Drohung ernst genommen. Die Ermittlungen dauern an.

(Erschienen: 17.03.2009 08:50)


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