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Leitartikel

Patienten haben genug gelitten

Beim Streik der Klinikärzte ist auch kurz vor der Fußball-WM noch kein Ende in Sicht. Eine Einigung ist aber überfällig.

Von unserem Korrespondenten Wolfgang Mulke

Bis zu einem Kompromiss gilt für die Bürger das Motto: bloß nicht schwer krank werden. Denn dieser Arbeitskampf wird auf dem Rücken der Patienten ausgetragen. Schon jetzt werden Kranke aus den Unikliniken auf andere Stationen verlegt. In der kommenden Woche könnte sich die Situation noch verschärfen, wenn beide Seiten stur bleiben. Dabei ist der Schaden jetzt schon immens. Vor allem die Patienten haben schwer zu leiden. Zwar ist die Notfallversorgung gewährleistet, doch jeder Tag Aufschub bei einer notwendigen Operation geht zu Lasten der Patienten. Die Länder als Arbeitgeber wiederum kommt der Ausstand teuer zu stehen, weil dringend benötigte Einnahmen der Kliniken ausbleiben.

Die Auseinandersetzung gleicht einem Pokerspiel. Die Arbeitgeber halten dabei die besseren Karten in der Hand. Die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) hat mit Verdi einen Vertrag für den öffentlichen Dienst abgeschlossen, der auch für die wenigen in der Gewerkschaft organisierten Ärzte gilt. Diese Vereinbarung will der Marburger Bund für die große Mehrheit der Mediziner aber nicht übernehmen, weil die vereinbarten Einkommensverbesserungen als unzureichend eingestuft werden. Außerdem litte darunter der Alleinvertretungsanspruch des Marburger Bundes für das ärztliche Klinikpersonal.

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Ob der Ruf nach Einzelabschlüssen mit dem Marburger Bund taktische Gründe hat oder die Schmerzgrenze tatsächlich erreicht wurde, ist schwer auszumachen. Denn TdL-Verhandlungsführer Hartmut Möllring hat bisher mit außergewöhnlichem Geschick das Beste für die Landeskassen herausgeholt. Am Ende könnte der Marburger Bund der Verlierer sein, zumal der öffentliche Rückhalt für die Ärzte angesichts der Zustände an den Kliniken bröckelt.

(Erschienen: 08.06.2006 00:16)


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