Meinungsaustausch geht grenzenlos
Schwarze Bretter, Kleinanzeigen und Stammtische wird es zwar auch weiterhin geben, die Kommunikation aber ist durchs Internet und dessen Weiterentwicklung, das sogenannte Web 2.0, deutlich vielfältiger geworden. Es gibt viele Menschen, die sich darum kümmern und sich dafür engagieren, dass das Internet nicht allein Tummelplatz für Viren, Spam-Mails oder verkrachte Existenzen wie "Supermann92" oder "Schmusemaus _xxl" ist.
Ein Barcamp ist ein Treffen von eben diesen Leuten, die sich an einem Ort zusammenfinden, ihre Versorgung organisieren, Themen besprechen und dann zu frei gewählten Themen sogenannte Sessions, also Sitzungen, veranstalten. Oliver Gassner hat mit Unterstützung von René Kius von der Agentur "Pzwei" und Jochen Mayer von der Firma Doubleslash sowie einiger anderer Sponsoren ein solches Barcamp an der ZU auf die Beine gestellt. Durch E-Mails, bereits bestehende Kommunikationskanäle und auf die kuriosesten Arten kamen rund 140 Interessierte aus ganz Europa am Seemooser Horn zusammen.
"Wer hier etwas präsentiert, gibt etwas seines Wissens an andere weiter und kann dafür selbst viel Neues erfahren", beschreibt Oliver Gassner kurz den Sinn dieser Veranstaltung. Im Prinzip findet hier in Echtzeit und nicht virtuell das statt, was kontinuierlich und mit vielen tausend Menschen in verschiedenen Bereichen des Internets bereits passiert. Vertreten an Themen waren am Wochenende auch solche, die sich um die Art der Kommunikation, um die Formen des voneinander lernens und die sozialen Netzwerke drehten. Auch der Ableger dieser offenen Netze im Internet, die Entwicklung offener Software, der sogenannten Open Source Software, die nichts kostet und jedem zur Verfügung steht, stand auf der Tagesordnung. Höchst interessant dabei auch die Diskussion unter Moderation von Heiner Wittmann und Robert Basic. Letzterer gilt als der "Oberblogger" Deutschlands. Ein Blog ist eine Plattform, auf der im Internet Texte zu bestimmten Themen verfasst werden, die dann kommentiert und diskutiert werden können. Meinungsaustausch und Diskussionen finden damit grenzenlos statt.
Grenzenlosigkeit ist die Chance
Und genau diese Grenzenlosigkeit ist die Chance dessen, was hier - vielleicht in den Kinderschuhen steckend - den Beginn einer gänzlich neuen Kommunikationsform markiert. Auch wirtschaftlich ist diese Technologie von immenser Bedeutung. Ein großes deutsches Versandhaus, das früher durch kiloschwere Kataloge das Leben der Postboten zur Hölle gemacht hat, pflegt seine Kundenkontakte heute vornehmlich über Blogs. Andere Firmen wie die Saftkellerei der Dresdenerin Kirsten Walther (www.saftboxen.de und www.saftbblog.de) haben über die neuen Kommunikationsformen im Internet binnen kürzester Zeit "4000 bis 5000 Kunden zusätzlich gewonnen", erzählt die junge Unternehmerin, die ein am Boden liegendes Unternehmen mit Blog und Internet wieder lebensfähig gemacht hat.
Beispiele dieser Art gibt es viele, und es werden täglich mehr. Menschen, die Projekte planen, an denen sich andere beteiligen sollen, gehen nicht mehr auf die Straße oder in den kleinen Kreis der Bekannten, sondern erweitern diesen Kreis übers Internet und finden garantiert zu ihren Zielen. Damit am Ende alle satt und mobil waren, stiftete die ZU die Räume, das Essen und Peter Eich, Tourismus-Unternehmer aus Konstanz, stellte Fahrräder zur Verfügung.
(Erschienen: 02.06.2008 00:06)








