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Liebe zu Piercing und Tattoo ist ungebrochen

(Frankfurt/Main/dpa) Einst waren sie die Markenzeichen von Seeleuten, Halunken und Häftlingen - doch längst sind Tattoos und Piercings als Körperschmuck gesellschaftsfähig geworden. Und der Trend hält weiter an. Wissenschaftler erforschen das Lifestyle-Phänomen.

In Frankfurt ist dem gestochenen Schmuck von gestern, heute und morgen neben einer Ausstellung sogar eine Podiumsdiskussion gewidmet. Es ist ein kompliziertes und buntes Ornament, das den Rücken von Melanie-Madeleine ziert. Von den Schultern zieht sich ein Blumenstock filigran über die Schulterblätter, entlang der schmalen Taille und verschwindet hinter dem Gürtel der tief sitzenden Jeans.

«Ich finde so Kunstwerke am Körper sehr attraktiv», sagt die 27 Jahre alte PR- Assistentin, deren Konterfei in der Ausstellung des Frankfurter Museums für Kommunikation hängt. «Die Blumen kommen sehr fraulich rüber.» Für Melanie-Madeleine ist ihr großflächiges Tattoo Schmuck.

Mit dieser Ansicht ist sie bei weitem nicht allein: Nach Schätzung von Aglaja Stirn von der Frankfurter Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie tragen inzwischen mehr als 40 Prozent aller jungen Frauen mindestens ein Tattoo oder Piercing. Seit Jahren forscht die Medizinerin über das Thema. «Es gibt nicht nur eine Antwort auf die Frage, warum sich jemand tätowieren lässt», sagt sie.

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Der Hauptbeweggrund sei im europäischen Kulturkreis das «Bestreben, den Körper zu verändern» und zu schmücken. Zudem hänge der Trend mit dem «Bedürfnis nach Individualisierung» zusammen. Dieser Meinung ist auch Dirk-Boris Rödel, Chefredakteur der Zeitschrift «Tätowier Magazin» in Mannheim. Er ist selbst vielfach tätowiert und beobachtet immer extremere Formen - wie beispielsweise Ziernarben oder Brandwunden. Körperveränderungen seien gesellschaftsfähig geworden, sagte er. Es gebe kaum eine Schicht, die sich ihnen entziehe.

«Wie bei der Mode dient der Körper hier als Medium der Kommunikation», sagt der Direktor der Kommunikationsmuseums, Helmut Gold. Daher habe sich sein Haus dem Phänomen in einer Ausstellung angenommen, die bis zum 15. April zu sehen ist. Auch eine Podiumsdiskussion mit Wissenschaftlern ist geplant.

Wie lange der Trend noch anhält, scheint kaum absehbar. Klar ist zumindest, dass die meisten Hautzeichen ein ganzes Leben überdauern - ob der Träger will oder nicht. Tattoos zu entfernen, ist teuer, schwerzvoll und mühselig. Melanie-Madeleine hat ihre ganz persönliche Lösung dafür gefunden: Nachgedacht habe sie schon, wie sie als alte Frau einmal aussehen werde. «Aber ich glaube, dass ich dann auch nicht mehr rückenfrei rumlaufen werde.»

(Erschienen: 28.02.2007 17:34)


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