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Leben

Leder - zweite Haut für Macht, Luxus und Luder

(Offenbach/dpa) Robust und geschmeidig, schützend und umhüllend - Leder ist ein besonderes Material. Seit Urzeiten schreiben Menschen ihrer «zweiten Haut» Symbolkraft zu.

«Leder steht für Kraft, Männlichkeit, Gewalt, Macht, Verführung und Erotik» sagt die Kunsthistorikerin Rosita Nenno. Die verborgenen Botschaften der Lederbekleidung entschlüsselt vom Freitag (25. April) an die erste Mode-Ausstellung im Deutschen Ledermuseum (DLM) in Offenbach: «Leder Macht Lust». Es ist eine Wanderung zwischen Uniformen, Designermode und Rotlichtmilieu.

Für die Heldenbotschaften hat Kuratorin Nenno schwere Jacken und Mäntel aus den Anfängen von Automobil- und Luftfahrt ausgewählt. «Die ersten Autofahrer und Piloten haben schnell die Schutzfunktion erkannt: robust, wind- und wasserabweisend, haltbar», zählt Nenno die Vorteile auf. Die Kluft unterstreicht das männliche Image. Fotos des «Roten Baron» Manfred von Richthofen und Fliegerinnen wie Amelia Erhart und Beate Uhse illustrieren das Selbstbewusstsein der Pioniere. «Den Frauen diente der Lederblouson als Zeichen der Emanzipation», erläutert Nenno. In diese Reihe ordnet die Ausstellung auch die Jacke ein, die Schauspielerin Hannelore Elsner als «Die Kommissarin» trug.

Viele der mehr als 50 Exponate kommen aus Privatsammlungen. Andere Stücke ersteigerte Nenno im Internet. Darunter eine Schott Perfecto- Jacke aus Hollywood: «Eine Ikone der rebellischen Jugend in den 50er Jahren, die Marlon Brando im Film bekanntgemacht hat.» Das Outfit wird später zusammen mit der Harley Davidson Kennzeichen der Motorradgangs - das Deutsche Ledermuseum hat eine der Kult-Maschinen in die Schau integriert. In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts perfektionierten Punks und Anhänger der Gothic-Szene das Unangepasste mit nietenbewehrten Jacken und Dornenhalsbändern.

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Lange, schwarze Uniformmäntel der Nazis legen die dunkle Seite der Lederkleidung offen. Den Nazis sollten die Mäntel ein sozialistisch- proletarisches Gehabe verleihen. Zugleich drückten sie Macht aus. «Was Menschen Leder zuschreiben, hängt von ihrem Umfeld und den Erfahrungen ab», sagte die Kuratorin. Von den düsteren Mänteln blieb «das Bild der von ihnen ausgehenden Bedrohung» in den Köpfen. Das widerstandsfähige Material Leder nutzte die moderne Staatsmacht ebenfalls. Eine froschgrüne Lederkombi der Motorradpolizei und eine Polizeijacke aus den 80er Jahren belegen dies. Rote Farbkleckse zeugen davon, dass die Jacke beim Einsatz gegen Demonstranten an der Startbahn West des Frankfurter Flughafens getragen wurde.

Dem animalischen Geruch, seiner Anschmiegsamkeit und Härte verdankt Leder die Zuschreibung des Erotischen. Nenno: «Es ist das Mittel, um die bürgerliche Welt zu erschrecken oder sie zu verführen.» Domina-Outfits, Fetischkleidung und Zubehör machen die Subkultur rund um Sado-Maso plastisch. Aus dem Atelier der britischen Modeschöpferin Vivienne Westwood stammt eine mit Metallstiften besetzte Hochzeitskorsage.

Der Haute Couture kommt der glamouröse Part zu. Eine goldschimmernde Gucci-Jacke zeigt den Wandel des Flieger-Blousons, ein spitzenbesetztes, hautenges Abendkleid enthüllt die ganze Extravaganz des Leders. Zu «Leder Macht Lust» gibt es bis Mitte November ein Begleitprogramm mit Vorträgen, Filmen, Harley Davidson- Schau und Konzerten.

(Erschienen: 23.04.2008 14:37)


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