Langnasen müssen in der Khao San Road abgefüllt werden
Stefan Blank ist hier kein Unbekannter. Im vergangenen Jahr erhielt er für sein Projekt "Being Lonely Planet: Thailand" einen Kulturförderpreis der Stadt Friedrichshafen. Bei der Preisübergabe machte er mit Ausschnitten neugierig. An die 16 Mal sei er in Bangkok gewesen, erzählt er, zuletzt im Herbst 2008, um sein Reisebuch fertigzustellen. In Zusammenarbeit mit dem Verein "Caserne e.V." stellte er es jetzt in einer von stimmungsvollen Dias aus der Khao San Road begleiteten Lesung im Kinoraum vor.
Im schwarzen Pulli mit der Aufschrift "Same Same", mit markanter Brille und ebensolcher Designeruhr sitzt er neben der Leinwand und liest ohne Mikrofon, aber gut verständlich. Es ist kein Roman, keine Erzählung, sondern Reisefeuilleton. Der Ich-Berichterstatter, der Journalist Michael Maier, der ausgezogen ist, kritisch über die berühmte Khao San Road in Bangkok zu berichten, und zuletzt doch ihrem Reiz erliegt, lässt den Zuhörer direkt an seinen Erlebnissen teilnehmen. Gleich ein starker Einstieg: die halsbrecherische Fahrt vom Flughafen zum Hotel. Halsbrecherisch, weil das Taxi aus einem Geländemotorrad besteht, dessen Kamikaze-Fahrer in halsbrecherischer Fahrt auch über Bürgersteige seinen "Langnase"-Gast ans Ziel bringt.
Wir erleben mit allen Sinnen eine fremde Welt, deren Reiz viele Traveler, wie sich die echten Rucksackreisenden nennen, gepackt hat. Beschrieben ist das Eintauchen in eine exotische Welt, raus aus dem geordneten Businessleben unserer westlichen Welt, hinein in eine asiatische Exotik, geprägt vom Buddhismus, von pulsierendem Leben, von überschäumender Lebensfreude. Wir erleben die Teilnahme an einem buddhistischen Meditationskurs. Amüsant, wenn der Schreiber erzählt, dass er seine Meditation an den zierlichen Brüsten einer Engländerin in der Gruppe festgemacht habe. Wir meinen, die überquellende Straße zu riechen, das Thai-Bier zu schmecken. Anders als viele Autoren liest sich Stefan Blank in Ausschnitten durch das ganze Buch. Der Zuhörer weiß, was ihn erwartet, nicht das Geschehen, sondern die Stimmung, das Ambiente ist hier wichtig. Spannendes Reisefeuilleton, wie man es heute aus Platzmangel selbst in großen Zeitungen in dieser Breite nicht mehr bekommt.
(Erschienen: 05.02.2009 00:07)














