Landwirt sammelt Haustierrassen
ÜBERLINGEN (fsf) --Das Landwirtschaftsamt hat dem 52-jährigen Landwirt Friedrich Schuler, Überlingen-Reutemühle, der aussterben-de Tierrassen sammelt wie andere Briefmarken, Entwamung vor Maul- und Klauenseuche gegeben.
Jetzt grasen auf Deutschlands größtem Haustierhof auf 18 Hektar Wiesen und Weiden wieder die für die Seuche anfälligen Klauentiere wie Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine. Der tierliebende Landwirt lebte Wochen in Angst, seine über 1000 "musealen" Tiere mit über 150 Tierrassen, die es weltweit vielfach nur noch auf seinem Hofgelände gibt, zu verlieren.
Jetzt hat er die Ställe geöffnet. Dabei ist für die über 30 verschiedenen Schaf- und Ziegenrassen, wie dem kleinsten Schaf der Welt, dem Quessant-Schaf aus der Bretagne, ausgewachsen nicht über 40 Zentimeter groß, sowie der Pfauenziege mit stolzem Gehörn aus der Schweiz, sprichwörtlich "Frühling". Sie haben kleine puztige Lämmer und Zicklein geworfen. In den Ställen der sieben Schweinerassen saugen junge Ferkel, gerade zwei Tage alt, an den Zitzen der großrahmigen Duroc-Sau und der mittelgroßen fleckigen Bentheimer.
Die über 30 Geflügelrassen, Hühner und Enten, scharren und schnattern frei auf dem Hofgelände herum. Im Gefolge junge Küken. Auch der Riesenesel hat für Nachwuchs gesorgt. Auf den Weiden stehen acht Rinderrassen wie die Pustertaler (Südtirol), Gurtenkuh und Limpurger und andere. Das Letztere hat ein Kälbchen.-Gab es vor dem Krieg von dem Limpurger Rind noch 13 000 Tiere, werden jetzt im Zuchtbuch gerade noch 260 Kühe sowie zehn Bullen geführt.
Das gilt auch für die anderen Tiere, die akut vor dem Aussterben bedroht sind. Landwirt Friedrich Schuler lebt für seine musealen Tiere, die auf dem Markt längst nicht mehr gefragt, sondern missliebige Exoten sind, weil zu fettes Fleisch, wenig robust oder zu wenig Ertrag. Noch vor über 40 Jahren standen sie in den Stallungen der Bauernhöfe oder grasten auf den Weiden.
Um die alten Rassen zu erhalten, steht Friedrich Schuler europaweit mit Zoos, Tiergärten, Gehegen und Sammlern in Verbindung. Im Tausch hat er dieser Tage vom Zoo Erfurt zwei bulgarische Schraubenziegen erhalten und vom Tierpark Hellabrunn München drei afrikanische Damara-Ziegen. Um das kostspielige, aufwendige Hobby zu finanzieren, "schuftet" er an die 16 Stunden täglich und ist dabei sein bester Knecht. Urlaub ist für ihn ein Fremdwort. Sowas gab es bei ihm noch nie! Wenn, dann würde er nur Tiergärten und Gehege besuchen, um nach neuen Tieren zu schauen, die noch in seiner"Sammlung" fehlen.
Damit die über 1000 Tiere täglich etwas zum Fressen haben, hat er vor vier Jahren in Eigenarbeit eine urige Hofschenke mit Auftritt bekannter Volksmusikgruppen und Stars eröffnet. Am 20. Mai spielt auf dem Haustierhof die Blasmusik mit der Spitzenkapelle "Tufaranka" aus Tschechien, die 1998 Sieger des Weltfestivals der Profikapellen in Holland waren. Der 19. August gehört der Gala Musikantenbühne mit "Duo Treibsand", Heinz Koch, Michaela Christ u. a. Beste Werbung indes sieht Friedrich Schuler mit dem Eintrag ins "Guinness-Buch der Rekorde" für die größte Sammlung aussterbender Haustierrassen. Jedes Jahr werden es mehr.
(Erschienen: 15.05.2001 22:40)








