Keane entdecken die Gitarren
Während eines Charity-Abends im letzten Jahr zugunsten der Wohltätigkeitsorganisation War Child (kürzlich auf DVD erschienen) begleitete er auf dem Saiteninstrument zusammen mit seinen Kollegen Szene-Darling Lily Allen, die kichernd ihren Hit «Smile» vortrug. Und das hörte sich gut an.
Auf Gitarren hatten Keane bisher immer verzichtet. Lieber simulierten sie den Klang mit den Keyboards und zahlreichen Effektgeräten. Auf dem neuen Album «Perfect Symmetry», das in England auf Platz eins der Charts landete, kommen diese aber tatsächlich leibhaftig zum Einsatz.
Keane, eigentlich Coldplay-Brüder im Geiste, auf dem Weg zur knallharten Rock'n'Roll-Band? Bei dem Song «Playing Along» mit seinen Gitarrenwänden könnte man das fast glauben, aber trotz dieses «Ausreißers» sind Keane sich auch auf ihrem dritten Album weitestgehend treu geblieben.
Das britische Trio aus Battle - mit Hang zum Pathos und großen Gesten - hat ein Pop-Album in epischer Dimension aufgenommen, das opulent, bombastisch und manchmal auch ein wenig schmalzig ist. Mit ihren großen Balladen und kleinen Dramen hangeln sich Keane mal mehr und mal weniger am Rande des Kitsches entlang, ohne aber diese Grenze wirklich zu überschreiten.
Dabei sind Keane experimentierfreudig geblieben und versuchen etwa mit singenden Sägen oder mit Gesangsspuren, die durch das Schlagzeug aufgenommen wurden, ihren 11 neuen Songs eine zusätzlich interessante Note zu geben, ohne sich dabei aber im Selbstzweck zu verlieren.
Wenn auch die Gitarren in eine neue Richtung weisen mögen, am traditionellen Keyboard-Sound hält das Trio weiterhin fest , orientiert sich bei «Perfect Symmetry» aber vergangenheitsbewußt oder -unbewußt häufig an den 80er Jahren (Pet Shop Boys, David Bowie).
| 05.11.2008 | Köln | Palladium |
| 06.11.2008 | Berlin | Tempodrom |
| 07.11.2008 | München | Zenith |
(Erschienen: 22.10.2008 16:08)
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