Indien bedroht die hiesigen Milchbauern
Die drei haben kaum geschlafen, berichten auf dem Hof ihres Kollegen Ewald Butscher in Fronhofen-Möllenbronn aber quicklebendig vom bislang wichtigsten Treffen europäischer Milchbauern; mit dabei waren auch Günther Eppler aus Stuben bei Altshausen und Alois Hafner aus dem Allgäuer Sontheim. Zwischen 60 und 80 Kühe haben sie in ihren Ställen, kommen knapp über die Runden und entsprechen dem Gros derer, die in Brüssel waren. Sie sind Mitglieder im BDM, im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, dem die Bauern in Scharen zulaufen. Kein Dorf mehr im Kreis, in dem nicht ein Transparent hängt mit der Forderung nach 40 Cent pro Liter.
Gegen Dumpingangebote
Das schien vor kurzem fast erreicht, doch die Euphorie ist wieder vorbei. Erneut drücken die Discounter den Preis, angeblich, weil alte Lagerbestände auf den Markt kamen, was Günther Eppler bezweifelt. Die EU-Politik sei der Grund - die Milchquote soll abgeschafft werden, damit werden der Markt dereguliert und wieder Überschüsse produziert; eine Region, schlimmer noch, ein ganzes Land werde gegen das andere ausgespielt. Das habe in aggressivem Ton der stellvertretende Agrar-Direktor der EU-Kommission, Lars Hoelgaard, den empörten Bauern entgegen geschleudert: Wer mit 27 Cent pro Liter nicht klar komme, müsse eben zumachen.
Angebote zu diesem Preis gebe es bereits. Als Musterbeispiel nannte Hoelgaard die Schweiz, wo die Bauern der Quote abgeschworen hätten. Die Wahrheit habe ein Schweizer Delegierter gesagt: Auf Druck der EU sei ihnen von den Molkereien das Messer auf die Brust gesetzt worden. Die Wahrheit über den "freien Milchmarkt", in dem Dumpingangebote angeblich der Konsumenten Glück sind, hätten in Brüssel Ökonomen wie Daniel Gouin von der Uni Quebec korrigiert: In Kanada gebe es kein Bauernsterben, aber auch keine Steuer-Subventionen, weil Milch kostendeckend produziert werde, mit einer Quote, die sensibel auf den Bedarf reagiere.
Beängstigend aber, wen Experten den europäischen Bauern als Konkurrenten ankündigten: Indien, Pakistan und Brasilien sollen zu Weltmarktproduzenten von Milch ausgebaut werden. Wie das? Da war Brüssel ein hilfreicher Informationspool. "Auf Neuseeland arbeiten sie an Joghurt mit 90 Tagen Haltbarkeit", erzählt Ewald Butscher. 1000 Kühe würden dort in zwei Stunden durch's Melkkarussell getrieben. "Was da an Hygiene bleibt, können Sie sich vorstellen." Die Kapazitäten von Gülleschiffen für die Megaproduzenten würden rapide ausgebaut und globale Nahrungskonzerne bauten eine Milchproduktion von China bis Brasilien auf. "Das wird auch in der Dritten Welt Millionen von Kleinbauern von ihrem Land vertreiben".
Nein, die drei sind nicht für Abschottung, aber gegen Produkte, die ohne Rücksicht auf Mensch, Tier und Natur hergestellt würden. "Dass das mit uns gemacht wurde, haben wir Bauern in Brüssel begriffen", sagt Günther Eppler. Und Alois Hafner zitiert den BDM-Vorsitzenden Romuald Schaber der in Brüssel unter Applaus feststellte: "Wir sitzen nicht mehr unten in der Galeere, wo die oben den Takt angeben und wir rudern."
(Erschienen: 18.02.2008 00:07)








