Göttsching schenkt dem Stummfilm Klang
So simpel die Handlung, so einzigartig ist die Darstellungskunst: Wegen fehlender Dialoge - wichtige Textstellen werden nur marginal eingeblendet - ist die Körpersprache das wesentliche Ausdrucksmittel. Mit prägnanter, geradezu überstilisierter Mimik und ritualisierten Bewegungsabläufen "erzählen" große Schauspieler wie Olga Tschechowa und Paul Hartmann die Geschichte derart plastisch, dass Dialoge kaum vermisst werden. Es ist wie bei Handlungsballetten, die ebenfalls ohne Sprache auskommen: Der Körper allein kann schier alles ausdrücken.
Murnaus Regiestil ist expressiv, mit großen Bewegungen und übersteigertem, dramatisiertem Körperausdruck. So lässt er etwa den zuletzt doch Unschuldigen schwer atmend und mephistophelisch wild um sich blicken, um Schuld zu signalisieren; die Augen der lügenden Ehefrau schminkt er tiefschwarz. In seiner Langsamkeit, ohne eine Spur heutiger spannungsmordender Schnitthektik, fesselt der Film ungemein.
Manuel Göttsching hat zu dem Film eine neue Musik komponiert, bei der sich klassische und elektronische Klänge miteinander verweben und zu Murnaus Werk - gerade wegen des riesigen stilistischen Abstands - ein authentisches Klangbild erschaffen.
Komponist mischt Klänge
Eine Rhythmusmaschine sorgt für den Beat, ein Synthesizer wiederholt lange Bassfiguren, erzeugt instrumentale Klänge wie Cello, Violinen, Gitarre und Bläser. Auch rhythmisch Südamerikanisches färbt die elektronische Klangpalette. Für gezeigte Träume schafft der Komponist transzendentale Sphärenklänge.
Manuel Göttsching, der in der Stadthalle von Adrian Kutter vorgestellt wurde, steuerte seine eigenständig kunstvolle Musik selbst mit Synthesizer, Laptop und Klaviatur. Für seine faszinierende Arbeit erhielt er zurecht großen Publikumsbeifall.
(Erschienen: 03.11.2008 01:00)








