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Ulm

Fingernagel-Dreck ist wichtigste Spur

(ULM/sz) Es geschah in dunkler Nacht in Ulms guter Stube: Mitten in der Ulmer Innenstadt und im Schatten des Ulmer Münsters wird in der Nacht zum 4. November 1990 Rafael Blumenstock umgebracht. Die Ermittler der Ulmer Kriminalpolizei wissen sofort: Der oder die Täter müssen hasserfüllt und mit äußerster Brutalität vorgegangen sein.

Die Leiche des 28 Jahre alten Mannes ist entsetzlich zugerichtet, als sie am Morgen zwischen Blumenkübeln und einem geparkten Auto gegenüber der Firma Abt entdeckt wird. Das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, am ganzen Körper Stich und Schnittverletzungen sowie Spuren von massiver Gewalt wie Fußtritte oder Faustschläge. Das brutale Verbrechen ist bis heute nicht geklärt.

Akten nicht geschlossen

Ist es ein Raubmord oder eine Milieutat in der Schwulenszene, der das Opfer zugerechnet wird? Die Ermittler wissen es nicht, können nur Vermutungen anstellen. Die Akten sind auch fast 18 Jahre nach der Tat nicht geschlossen, die Polizisten geben die Hoffnung nicht auf, dass der oder die Mörder eines Tages doch noch gefasst werden können. Vieles spricht dafür, dass mehrere Männer an dem äußerst brutalen Mord beteiligt waren.

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Anwohnerin hört Schreie

Eine Anwohnerin am Münsterplatz hört am Morgen des 4. November 1990 immer wieder Schreie. Als sie aus dem Fenster schaut, fallen ihr drei Männer auf, die eben in einen Sportwagen einsteigen und davonfahren.

Ob die Männer etwas mit der Tat zu tun haben, bleibt ein Rätsel. Einen Tag lang dauert es, bis der Tote identifiziert ist. Es war ein Einzelgänger, der des Öfteren im Homosexuellenmilieu zu sehen war. Das Entsetzen in der Bevölkerung über die Tat ist groß, zumal nie gänzlich ausgeschlossen werden kann, dass Rafael Blumenstock sterben musste, weil er schwul war. Bürger trauern und ziehen in einem Protestmarsch durch Ulm. Nicht nur wegen des öffentlichen Drucks ermittelt die Polizei unter Hochdruck. Eine Sonderkommission wird gebildet, eine Belohnung ausgesetzt und jede noch so kleine Spur gesichert und verfolgt.

Der Schmutz unter einem Fingernagel des Mordopfers ist nach wie vor die Wichtigste einer Vielzahl von Spuren. Zehn Jahre nach der Tat wird dieser Schmutz auf DNA-Material untersucht. Es stellt sich heraus, dass dieser Schmutz von einem anderen Menschen als Raphael Blumenstock stammt - also möglicherweise von einem der Täter.

118 Fingerabdrücke

Die Polizei vergleicht diesen genetischen Fingerabdruck mit dem von 118 Personen, die im Laufe der Jahre als mögliche Verdächtige ins Visier der Fahnder geraten sind. 115 Personen geben ihre Speichelproben freiwillig ab. Drei müssen mit Beschluss des Amtsgerichts dazu gezwungen werden. Einer wohnt inzwischen in Spanien, kommt aber um die Prozedur nicht herum. Die Polizeibeamten hatte ihre ganze Hoffnung auf diese Spur gesetzt, werden aber enttäuscht. Es wurde keine Übereinstimmung bei den Verdächtigen gefunden.

Aber die Suche nach dem oder den Mördern geht weiter, die Polizisten geben nicht auf: Ihre Hoffnung wird genährt durch immer neuere Kriminaltechnik, mit der die am Tatort gefundenen Spuren ausgewertet werden können. Der Täter kann sich nie sicher sein, dass eines Tages die Polizei bei ihm auftaucht und er für viele Jahre ins Gefängnis muss. Denn Mord verjährt nie.

(Erschienen: 20.08.2008 00:08)


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