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Engelhardt warnt vor "dubiosem Verein"

LEUTKIRCH - Helmut Engelhardt, Vorsitzender des Leutkircher Tierschutzvereins, fürchtet um den Ruf seines Vereins. Grund ist der Infostand des Vereins "Aktion Tier - Menschen für Tiere" während des letztes Standkonzertes auf dem Kornhausplatz. "Dieser Verein ist dubios", sagt Engelhardt. "Wir warnen vor ihm und distanzieren uns von ihm."

Von unserem Redaktionsmitglied Karin Merkle

"Wir haben mit diesem Verein nichts zu tun", macht Helmut Engelhardt klar. Auch der Deutsche Tierschutzbund - die Dachorganisation der deutschen Tierschützer - arbeitet nicht mit dem Verein "Aktion Tier - Menschen für Tiere" zusammen. Denn hinter diesem Namen verbirgt sich das frühere "Deutsche Tierhilfswerk" (DTHW). So hieß der Verein bis April, wie man auf der Homepage (www.tierhilfswerk.de) nachlesen kann. Mit dieser Umbenennung sei aber nur das äußere Auftreten verändert worden, sagt Evelyn Ofensberger vom Deutschen Tierschutzbund.

54 Millionen Euro veruntreut

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Denn das DTHW hat in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Unter anderem ist dessen langjähriger Vorsitzende Wolfgang Ullrich 2001 wegen Untreue zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er habe mindestens 54 Millionen Mark auf seine eigenen Konten abgezweigt, für den Tierschutz sei nur eine "unwesentliche Größenordnung" übrig geblieben, stellte das Landgericht München damals bei der Urteilsverkündung fest. Auch Ullrichs Stellvertreter Eduard Baumann wurde zu achteinhalb Jahren, sein Steuerberater Udo Lischka zu vier Jahren Haft verurteilt. Der "Spiegel" hatte bereits im November 2000 berichtet, dass Ullrich mehr als 70 Millionen Mark veruntreut haben soll.

Das WDR-Magazin "Monitor" hatte Ende 2003 berichtet, dass das "Deutsche Tierhilfswerk" jährlich rund 12,5 Millionen Euro einnimmt. Laut einem ehemaligen Mitarbeiter der Organisation, der in dem TV-Beitrag anonym bleiben wollte, seien jährlich etwa zwei bis drei Millionen Euro in die Verwaltung geflossen und knapp sieben Millionen Euro allein in Werbung investiert worden. Laut "Monitor" hätten sich die Vorstände des Vereins - obwohl ehrenamtlich tätig - eine üppige Aufwandsentschädigung genehmigt. Die Werbung stünde für den Verein im Vordergrund, denn eigene Projekte für den Tierschutz habe das Deutsche Tierhilfswerk kaum, hieß es im Beitrag. "Das hat mit Tierschutz gar nichts zu tun", gab der ehemalige DTHW-Mitarbeiter zu Protokoll.

Helmut Engelhardt vom Leutkircher Tierschutzverein befürchtet nach dem Auftritt des Vereins "Aktion Tier - Menschen für Tiere" am vergangenen Freitag, dass jetzt auch in Leutkirch einige einen Mitgliedervertrag bei der Organisation unterschrieben haben. Für Engelhardt ist es aber äußerst fraglich, ob die Mitgliedsbeiträge oder Spenden wirklich dem Tierschutz zugute kommen.

Verletzte Taube als Beweis

" Dass der Verein sich nicht wirklich um Tiere kümmert", so Engelhardt, zeige das Verhalten der Infostand-Betreiber am Freitag. Als dort Passanten eine verletzte Taube versorgen lassen wollten, seien sie von den zwei Vertretern des Vereins "Aktion Tier - Menschen für Tiere" abgewimmelt worden. "Die hatten kein Interesse, dem Tier zu helfen", sagt Engelhardt. Das passierte erst, als sich ein Mitglied des Leutkircher Tierschutzvereins - informiert von der Polizei - um die Taube kümmerte und zu einem Tierarzt brachte.

Ein "schlechtes Gefühl" hatte auch Ordnungsamtsleiter Elmar Haag gehabt, als der Verein "Aktion Tier - Menschen für Tiere" seinen Infostand genehmigen lassen wollte. "Anfangs habe ich die Genehmigung verweigert, weil mir nicht ganz wohl war und die Stadt eigentlich örtliche und gemeinnützige Vereine bevorzugt", sagt Haag. Und er habe sich schon gewundert, was ein Tierschutzverein aus Berlin, der nicht gemeinnützig sei, in Leutkirch wolle. "Doch es gab leider für uns keine gesetzliche Grundlage, den Stand zu verbieten", sagt Haag.

(Erschienen: 30.06.2006 00:15)


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