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Ravensburg Kreis

Einzelne Tiere "litten erheblich"

AMTZELL - Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen die Leiterin des "Gnadenhofs" in Amtzell nach Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Tadellos sei der Betrieb dennoch nicht: Vereinzelt hätten die Tiere "erheblich gelitten". Was die Untreuevorwürfe betrifft, sei "kein erheblicher Schaden" entstanden.

Von unserem Redakteur Stefan Hilser

Nach monatelangen Ermittlungen machte die Staatsanwaltschaft Ravensburg den Aktendeckel "Gnadenhof" zu. Gegen die Leiterin, Christiane Rohn, verhängte die Ermittlungsbehörde ein Bußgeld in vierstelliger Höhe, die sie zugunsten gemeinnütziger Einrichtungen bezahlen muss. Von einer öffentlichen Klage könne abgesehen werden, teilte die Staatsanwaltschaft gestern mit. Die Beschuldigte und ihr Verteidiger hätten diesem Verfahren zugestimmt.

Noch im September habe das Veterinäramt dem Gnadenhof bescheinigt, ein "vorbildliches Projekt in einer tadellosen Einrichtung" zu sein. Diesen Eindruck, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Pressemitteilung, könnten die Ermittler "nicht bestätigen". Vielmehr hätten die Untersuchungen ergeben, "dass Tierhaltung und Tierpflege im Gnadenhof durchaus Anlass für Beanstandungen gaben". Insbesondere müsse die Unterbringung der Hunde "grundlegend umgestaltet" werden.

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Viel zu kleine Zwinger

Den Ermittlern hatten sich offenbar beim Blick in eine ehemalige Reithalle, in der bis zu 70 Hunde in Zwingern gehalten wurden, untragbare Zustände geboten. "Die Hunde haben vereinzelt erheblich gelitten", sagte auf Nachfrage die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, Christine Weiss. Die Hunde seien in zu kleinen Zwingern untergebracht gewesen. Ein Hund habe eine geschwächte Muskulatur aufgewiesen, außerdem ein beschädigtes Gebiss, was darauf hindeute, dass sich der Hund in den Gitterstäben "verbissen" habe. Eine Halteform, die den Tieren "erhebliches Leid" zufügt, sei als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, beziehungsweise als eine Straftat zu werten. Solche Fälle habe es auf dem Gnadenhof gegeben. In der Gesamtschau der Ermittlungen könne es die Behörde aber verantworten, gegen die Zahlung einer Geldbuße von einer Klage abzusehen.

Was die Untreuevorwürfe betrifft, geht die Staatsanwaltschaft nicht mehr davon aus, dass dem Verein "Gnadenhof - Lebenswürde für Tiere" ein Schaden entstanden ist. Der Betreiberin des Gnadenhofs könne nur vorgeworfen werden, dass sie Privat- und Vereinsvermögen nicht immer strikt getrennt habe. Mittlerweile sei aber ein Steuerberater beauftragt. "Insoweit ist nunmehr eine korrekte Buchführung gewährleistet".

Zugunsten der Beschuldigten wertete die Staatsanwaltschaft laut ihrer Pressemitteilung, "dass seitens der Behörden ihre Einrichtung im Wesentlichen nicht beanstandet wurde und ihr daher die Missstände nicht deutlich genug vor Augen geführt wurden".

Diesen Vorwurf weist der Leiter des Veterinäramts Ravensburg, Dr. Johann Hartmann, zurück. Die Behörden, darunter auch das Regierungspräsidium und das Landwirtschaftsministerium, hätten nicht in alle Bereiche des Hofs Zutritt gehabt. Es habe auch Bereiche in Privaträumen gegeben, in die das Veterinäramt nicht habe treten dürfen. Auch, was die Bewertung vom September betrifft, wonach der Gnadenhof ein "vorbildliches Projekt" sei, habe das Veterinäramt nur nach einer "Momentaufnahme" entscheiden können. Das Veterinäramt habe eben nicht wie die Staatsanwaltschaft die Möglichkeit der Zeugenbefragung, woraus sich möglicherweise erst ein anderes Bild ergeben hat.

Prominente Unterstützer

Nachdem die Vorwürfe gegen Rohn laut geworden waren, hat sich ein Unterstützerkreis gebildet, dem sich auch lokale Prominenz anschloss. Sie forderten ein rasches Ende der Ermittlungen, damit dem Gnadenhof ein Imageschaden, der sich negativ auf den Spendenfluss auswirkt, erspart bliebe.

(Erschienen: 04.05.2006 00:16)


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