Drogerie-Müller verkauft sein Lager
Und das kam so: Im Lager des Drogerieriesen Müller in der Neu-Ulmer Max-Eyth-Straße mit gut 140 Beschäftigten wurde ungehindert ein Betriebsrat gewählt. Dies berichteten gestern mehrere Müller-Beschäftigte sowie Verdi-Gewerkschaftssekretär Rainer Dacke. Das war nicht immer so. Wie berichtet, beklagte sich Verdi mehrfach über zahlreiche Versuche der "Müller Ltd. & Co. KG", die Bildung einer gesetzlich geregelten Interessenvertretung der Arbeitnehmer zu verhindern. Zuletzt war die Firma mit ihrer Beschwerde gegen die Einsetzung eines Wahlvorstands im neu-Ulmer Lager vor dem Münchner Landesarbeitsgericht gescheitert.
"Müller zerschlägt eher sein Unternehmen, bevor er Betriebsräte zulässt", befürchtet der Gewerkschaftsfunktionär. Der Hintergrund: Wie der Geschäftsführer der Honold Logistik Gruppe, Heiner Matthias Honold, bestätigte, wird das Lager beginnend mit dem 1. Mai, von seiner Firma übernommen. "Das ist für uns Routine." Gegen Betriebsräte habe die Firma nichts einzuwenden, das sei ja schließlich auch gesetzlich geregelt. Honold sieht in der Übernahme des Lagers den Anfang einer weiter gehenden Zusammenarbeit mit der Drogeriemarktkette, die europaweit 561 Filialen betreibt.
Durch die Übernahme von Honold wird der Betriebsrat bei Müller also nur etwa zwei Wochen innerhalb der Firma existieren. Dacke spricht dennoch von einem Erfolg für die Gewerkschaft. Schließlich habe trotz hartem Widerstand des Arbeitgebers schlussendlich in jenem Lager eine Interessenvertretung der Arbeitnehmer gebildet werden können.
Die Gewerkschaft will sich weiter für einer Stärkung der Arbeitnehmerrechte innerhalb des Drogerie-Giganten mit europaweit 561 Filialen und rund 22 0000 Beschäftigten stark machen. Dacke zeigt sich froh, dass endlich eine breite Öffentlichkeit darüber informiert werde, wie "der Chef bei Müller wirklich tickt". Dacke fordert Müller-Mitarbeiter auf, sich bei der Gewerkschaft zu melden, und sich über die Gründung weiterer Betriebsräte zu informieren.
"Ich weiß nicht, vor was der Müller eigentlich Angst hat", sagt Natalja Enns mit Blick auf den Firmenpatriarchen Erwin Müller. Gestern ging sie im Neu-Ulmer Lager zum wählen. Angst müssen aus Sicht der Gewerkschaft und einigen Mitarbeitern vor allem kranke Beschäftigte um ihren Arbeitsplatz haben: "Wer zu lange krank ist, fliegt", sagt Dacke über die Methoden bei dem Drogeriemarkt-Filialisten. Die Firma Müller wollte sich gestern zu den Vorwürfen nicht äußern.
(Erschienen: 16.04.2009 00:08)








