Die "S-Ray 007" macht ihre ersten Schwimmversuche auf dem Bodensee
Der Bodensee fordert sie heraus, stellt Iren Dornier, seine Mitarbeiter und deren Arbeit auf die Probe. Seit zwei Jahren haben sie auf diesen Tag hingearbeitet. Jetzt stehen sie am Ufer des Bodensees, der bei bis zu vier Windstärken gar nicht zur Ruhe kommen will, und besprechen sich vor dem ersten Schwimmversuch der "S-Ray 007".
Es ist das erste Mal nach fast 70 Jahren, dass ein Mitglied der Dornierfamilie ein neues Wasserflugzeug auf dem Bodensee erfolgreich -testen wird - zuletzt war die Do 26 dran. Sechs Maschinen wurden von 1938 an für den Nord- und Südatlantik-Postverkehr der Deutschen Lufthansa gebaut. Das letzte wurde 1944 wahrscheinlich verschrottet.
Angespannt sind sie gleichermaßen - der 48-jährige Chef und seine zehn Mitarbeiter, aber auch Gäste, die sehen wollen, ob die "S-Ray 007", ein Flugzeug, dessen Flügel des leichteren Transports wegen um 90 Grad gedreht werden können, hält, was sie verspricht.
Bis zur letzten Minute haben Iren Dornier und seine Leute an dem Flugboot gearbeitet. Immer wieder war der Zeitpunkt für den Schwimmversuch nach hinten verlagert worden. Wolfgang Wagner, Geschäftsführer der "Dornier Technologie" mit Sitz in Uhldingen-Mühlhofen am Bodensee, hat den neun Meter langen Flügel der "S-Ray 007" auf einem Anhänger nach Friedrichshafen-Seemoos gefahren, das Flugboot selbst haben andere Mitarbeiter ans Ufer transportiert.
Im orangefarbenen Overall steht Iren Dornier bei seiner Maschine, füllt Benzin ein, checkt nochmals alles. Klar, dass er bei dem Schwimmversuch selbst an Bord der "S-Ray 007" sein wird. Sein Mitarbeiter Gerhard Meister hat den Tauchanzug angezogen - er soll, sobald die "S-Ray 007" im Wasser ist, das Flugboot auf einem Motorboot begleiten und, falls es nötig ist, unter Wasser nach dem Rechten sehen.
Angereist aus München ist Silvius Dornier, der letzte noch lebende Sohn von Claude Dornier. Schon in der Fabrikhalle am Flughafen, wo letzte Hand an die "S-Ray" gelegt wurde, war der 80-Jährige dabei. Zwei Dornier-Mitarbeiter ziehen die "S-Ray" mit einem Seil in den Bodensee, wo die Maschine von dem Motorboot übernommen wird. Die erste Anspannung fällt von den Mitarbeitern ab - das Flugboot schwimmt.
Jahrzehntelange Erfahrung
Die jahrzehntelange Dornier-Erfahrung im Bereich von Wasserflugbooten habe er einfließen lassen, aber auch seine eigene Erfahrung aus der Do 24, sagt Iren Dornier, der auf den Philippinen seine eigene Fluggesellschaft "South East Asian Airlines" (SEAIR) -betreibt. Seinen Mitarbeitern hat er klar gemacht: Heißt es im Cockpit Land unter, "ist für mich der Tag gelaufen".
Obwohl die Dämmerung hereinbricht, ist die Zitterpartie noch nicht beendet: Iren Dornier testet auf dem See die Manövrierfähigkeit der "S-Ray 007", die jetzt keine Verbindung mehr zum Motorboot hat. Bis zu 70 Zentimeter hoch sind die Wellen. Der Dornier-Enkel, der dem historischen Flugboot Do 24 wieder das Schwimmen und Fliegen beigebracht hat, wirft den Motor an und zieht enge Kurven. "Das Flugboot schwimmt besser als das Modell", sagt Projektleiter Christian Seyffert erfreut.
Der Zweisitzer soll bei der Luftsportshow in Oshkosh (USA) am 23. Juli offiziell vorgestellt werden. Geplant ist weiter, dass die ersten beiden Maschinen im Oktober ausgeliefert werden und in Deutschland bleiben. Ende 2007 soll, so Iren Dornier, die Serienproduktion vorbereitet werden.
Als die Sonne untergeht, ist der Schwimmversuch beendet. Aus dem Flugboot klettert ein nasser, aber glücklicher Iren Dornier - die Dusche hat er abbekommen, weil die Dichtungen für die Scheiben noch nicht eingebaut waren. Die "S-Ray 007" hat die kurzen Schlagwellen gemeistert; diese machen den Bodensee zum "relativ kritischen Gewässer", so Geschäftsführer Wagner. Jetzt soll noch die Abstimmung zwischen dem Motor und dem Propeller optimiert werden, damit aus der Verdränger- die Gleitfahrt wird. Knapp 4000 Umdrehungen hat das Flugboot beim Versuch erreicht, für die Gleitfahrt braucht es rund 5500.
Vor dem Testflugprogramm, das in den nächsten Tagen ansteht, ist Iren Dornier nicht bange: "Allerhöchstens minimale Veränderungen" stünden für das Flugboot, das komplett aus Kunststoff gebaut ist, an. "Dann", sagt er und strahlt "kann es in Serie gehen."
Sein Vater wird ihn erst am nächsten Tag beglückwünschen - der alte Herr ist nachhause gegangen, ihm war es zu kalt. Dass Silvius Dornier mächtig stolz auf seinen Sohn ist, der die Dornier-Tradition fortsetzt, liegt auf der Hand. Ein Mann der großen Worte ist er nicht. "Iren", sagt er bescheiden, "ist ein guter Pilot."
(Erschienen: 12.07.2007 00:08)














