Der Jäger mit den Pinsel-Ohren ist wieder da
(SCHENKENZELL/sz)SCHENKENZELL (sz) - In den Wäldern bei Schenkenzell hält sich möglicherweise ein Luchs auf.
Gesehen hat den Räuber aus der Familie der Katzen noch niemand; Fraßspuren an gerissenen Rehen lassen aber für die Fachleute aus Jagd und Forst keinen Zweifel, dass es sich tatsächlich um einen Luchs handeln muss. Eigentlich gelten diese Tiere seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts als ausgestorben, als der letzte Luchs geschossen wurde. Bei Schenkenzell sind zwei Fällen bekannt, in denen ein Luchs Rehe geschlagen hat. Sie tragen jeweils am Rücken die typischen Spuren des Sprungs, mit denen der Luchs aus seiner Lauerstellung von hinten auf die Beute springt, um sie mit einem gezielten Biss in den Nacken zu töten.
Seit einigen Jahren gibt es im Schwarzwald immer wieder Hinweise auf Luchse - meistens sind es dann Tiere, die aus der Schweiz oder aus den Vogesen zuwandern, manchmal auch aus Gehegen ausgebrochen. Zudem läuft seit längerem eine Diskussion zwischen Naturschützern, die sich für eine Wiederansiedlung des hier eigentlich heimischen Tieres einsetzen, und Jägern, die befürchten, dass der Luchs andere seltene Tiere - etwa den Auerhahn - kurz hält; außerdem erklären die Jäger, dass die Lebensräume für den Luchs zu klein sind.
Die Luchs-Freunde wiederum werfen den Jägern vor, letztlich nur einen Konkurrenten auf der Wildbahn ausschalten zu wollen. Immerhin schlägt die Wildkatze mit den charakteristischen Pinsel-Ohren etwa 60 bis 70 Rehe pro Jahr - die den Weidmännern auf der Pirsch fehlen. Die Jäger verweisen dann wieder auf die fehlenden Lebensräume in einer zersiedelten Landschaft. Und selbst wenn der Luchs im Schwarzwald wieder heimisch werden sollte, müssten es mindestens 100 Tiere sein, damit die genetische Reserve nicht zu klein ist und sich Schäden durch Inzucht ausbeiten. Dem halten dann die Befürworter von Aussiedlunen entgegen, dass ein Luchs die natürlich Feinde des Auerwildes - Fuchs, Marder, Dachs --klein halten. Wenn ein Luchs ein Reh schlägt, dann meist ein krankes oder schwaches Tier.
Selbst die ausgedehnten Wäldern von Kaltbrunn, von wo jetzt die Spuren gemeldet werden, gelten als nicht geeignet, weil zu klein. Die Fachleute vermuten daher, dass der Kaltbrunner Luchs weiter wandern und sich nicht dort ansiedeln wird.
Bereits 1995 wurde ein ähnlicher Fall aus Tennenbronn gemeldet. Seinerzeit hatte eine Hausfrau einen Luchs mitten im Ort, in der Friedhofstraße, gesehen. Die Kreisjägerschaft schätzte ihre präzise Beschreibung als glaubhaft ein; der Tennenbronner Luch galt aufgrund seines Verhaltens als "Käfigluchs", der aus einem Gehege ausgebrochen war. Andere Beobachtungen liegen vom Bereich Staufen/Markgräfler Land und dem Simonswälder Tal vor.
Als Gefahr für den Menschen gilt der Luchs nicht - auch wenn er früher als blutrünstiges Raubtier gefürchtet war. Er ist kaum größer als ein Cocker-Spaniel und ist erkennbar an den dunklen Flecken auf einer gelben bis bräunlichen Pelzfarbe, den Pinsel-Ohren und dem kurzen Stummelschwanz. Die männlichen Tiere nennt man Kuder.
(Erschienen: 08.06.2001 22:41)








