
Wer es nicht besser wusste, hätte wirklich denken können, die Griechen wollten in Hundersingen einmarschieren. Mit lauter Stimme gibt der Grieche Stefanos aus Athen Befehle und erklärt seinen "Hetaroi", den makedonischen Infanteristen, wie ein waschechter Krieger Lanze und Schild zu halten hat. Die sogenannte "Phalanx", eine griechische Kampfformation, wird im Deutschen mit Walze übersetzt, erklären die Krieger. Sie sei, wie der Name schon sagt, dazu dagewesen, die Gegner auf dem Schlachtfeld einfach wegzuschieben. Doch solche Maßnahmen waren am Wochenende nicht nötig. Im Gegenteil: Berührungsängste brauchten die Besucher auf der Heuneburg überhaupt nicht haben.
Zwar wirkten die verschiedenen Waffen und Kampfgebärden der Gäste aus Griechenland und seinen Nachbarvölkern anfangs etwas bedrohlich. Sehr schnell aber fühlte man sich in längst vergangene Zeiten hineinversetzt. Das lag auch an der passenden Kulisse, die die Heuneburg zu einem geradezu prädestinierten Ort für solche Treffen macht.
Die Protagonisten stellten nicht nur Waffen und antike Kampftaktiken zur Schau, sondern auch die typische zivile und militärische Kleidung. Ebenso wurden beispielsweise antike Ballspiele gespielt und eine griechische Opferzeremonie rekonstruiert.
Die Darstellung der Menschen und ihrer Verhältnisse in der Zeit zwischen 500 und 300 vor Christus im klassischen Griechenland, den hellenistischen Staaten und den angrenzenden Kulturen war sehr authentisch. Nicht zuletzt deswegen, weil die aus ganz Deutschland und sogar Österreich hergereisten Darsteller sehr in ihren jeweiligen Rollen, sei es als Infanterist, Römer oder Handwerker, aufgingen.
Im wahren Leben gehen sie sehr bodenständigen Berufen nach. Am Samstagabend fand im Rahmen des griechischen Treffens auch das Konzert mit der Gruppe "Musica romana" statt. Drei Musiker, die Historiker und Archäologen Susanna Rühling, Merit Zloch und Ralf Gehler, führten auf eine musikalische Reise durch die Zeit. Beginnend bei den Instrumenten der Kelten und Römer waren Klänge und Instrumente vom Mittelalter bis hinein in die Neuzeit zu hören. Es erklangen Panflöten und Saiteninstrumente der Antike, Leiern und Harfen des frühen Mittelalters und Sackpfeifenrekonstruktionen aus den verschiedensten Epochen. Den Abschluss bildeten Tanzmusiken des Barock.
Die Wiege Europas
Das Treffen auf der Heuneburg zeigte den Besuchern eindrücklich, dass Griechenland die Wiege Europas ist und antike Geschichte nicht immer staubtrocken und langweilig sein muss. Auch wenn die Griechen bei uns in Deutschland nicht selbst anwesend waren, übten sie dennoch großen Einfluss auf unsere Kultur aus.
(Erschienen: 25.08.2009 00:06)