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Laichingen

Angst bewahrt vor tödlichem Leichtsinn

ULM - In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind 1200 Bundeswehrsoldaten im Einsatz. Ab Juli gehen Ulmer Soldaten an den Hindukusch. Zur Zeit durchlaufen sie eine Ausbildung auf dem Lerchenfeld.

Von unserem Mitarbeiter Heribert Lemberger

Fast mannshohe Stacheldrahtrollen und ein Checkpoint mit Bundeswehrsoldaten in Kampfausrüstung machen es unmöglich, das abgesperrte Territorium unerlaubt zu betreten. Nein, das ist nicht im Kosovo oder in Afghanistan, sondern auf dem Ulmer Standortübungsplatz der Bundeswehr auf dem Lerchenfeld. 150 Soldaten des II. Korps, davon rund 100 aus Ulm, werden hier "situationsnah" für ihren Einsatz in Afghanistan ausgebildet.

Bis vor wenigen Minuten verfolgten die Soldaten einen Unterricht mit so unterschiedlichen Themen wie "Deeskalation in einer aufgebrachten Menschenmenge" oder "wie sichere ich mich und meine Familie ab". Jetzt sind sie froh, aus dem stickigen Zelt zu entkommen. Das heißt aber auch: volle Kampfausrüstung anlegen und wieder schwitzen.

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Das sei natürlich keine militärische Grundausbildung mehr, erklärt Ausbildungsleiter Oberstleutnant Frank Schlösser, sondern ein "konzentriertes Heranführen an den bevorstehenden Einsatz in diesem muslimisch geprägten Land". Der humane und freundliche Umgang mit den Einheimischen bildet ein Thema. Denn neben den militärischen Maßnahmen zur Friedenssicherung haben die Ulmer auch den Auftrag, die afghanische Bevölkerung auf die Wahlen im nächsten Jahr vorzubereiten. Sie sollen die einheimische Polizei ausbilden, beim Wiederaufbau helfen und humanitäre Hilfe leisten. "Ein großes und lohnendes Ziel", wie Frank Schlösser, Kommandeur des Fernmeldebataillons 210 in der Ulmer Hindenburgkaserne, meint.

Im Juli werden 300 Ulmer Soldaten unter der Führung von General Bernd Diepenhorst, Chef des Stabes II. Korps, ihren Marschbefehl an den Hindukusch erhalten. Sie werden die Führung der multinationalen Brigade in Kabul übernehmen, unter den derzeitigen politischen und militärischen Verhältnissen sicher keine ungefährliche Aufgabe. Die Taliban sind zumindest außerhalb Kabuls noch nicht besiegt, vor ein paar Wochen stürzte ein Hubschrauber ab, und erst vorgestern schlug eine Granate ins Lager der Deutschen ein, niemand wurde verletzt.

Also gehört zur Ausbildung auf dem Lerchenfeld neben der Einweisung in neueste Handfeuerwaffen auch eine intensive Sanitätsausbildung, das Erkennen von Minen und wie diese reagieren, der Umgang mit Funkgeräten oder das Fahren im Konvoi. Eben wird ein Rollenspiel geprobt. Da versuchen deutsche Soldaten, einen unerlaubten Checkpoint Einheimischer aufzulösen. Und etwa 100 Meter weiter werden alte Autos auf Sprengstoff untersucht.

Der Ulmer Marcel Best ist einer der wenigen dieses Kontingents, die schon Auslandserfahrung haben. Der Stabsunteroffizier war 1999 im Kosovo. Wie alle anderen wurde er nicht gefragt, ob er mitgehen will oder nicht. "Das ist mein Job als Zeitsoldat" sagt er. Angst habe er eigentlich nicht, höchstens so ein bisschen ein "mulmiges Gefühl", weil er sich wie alle anderen bewusst ist, "dass das kein gänzlich ungefährlicher Einsatz" ist. Aber diese Erkenntnis bewahre ihn vor Leichtsinn, der tödlich sein könne. Das "gute Gefühl, helfen zu können", überwiege. Im Übrigen überlagere derzeit ein sehr persönliches positives Gefühl alles andere. Denn noch vor der Abreise nach Afghanistan will er seine Freundin heiraten.

(Erschienen: 04.04.2003 23:30)


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